Stoffe und Farben im Hochmittelalter
von Viola Schmidt


Inhalt:

Stoffe
Farben
Verzierungen


Stoffe

Verwendet wurden hauptsächlich Leinen/Hanf (Unterkleid) und Wolle (Übergewand), sowie Seide.

Es eignet sich für die Kostüme:

  • Leinen

  • Wollstoff

  • Seide (bzw. Viskose als Seide-Ersatz)

  • Baumwolle (auch als Ersatzstoff)

  • Mischgewebe aus diesen Materialien

Baumwolle: Durch die Kreuzzüge gelangte auch die im Orient schon seit der Antike bekannte Baumwolle nach Europa. Hergestellt wurde Barchent (Kette aus Leinen, Schuss aus Baumwolle). Reine Baumwollgewebe wurden nicht hergestellt, solche gab es bestenfalls als Import

Mischgewebe: Es gab z. B. Mischung von Baumwolle mit Seide und Wolle, auch Seide mit Leinen oder Wolle, Leinen mit Wolle, Leinen mit Baumwolle (Barchent, s.o.).

Gewebe

Kette Leinen, Schuss Wolle war unter der einfachen Bevölkerung weit verbreitet. Der Grund ist der, dass der Kettfaden beim Weben unter Zug steht, Wollfäden könnten hierbei leicht reißen und sind dehnbar. Deswegen wird für den Kettfaden Leinen verwendet. Da Wolle angenehmer zu tragen ist, wird für den Schussfaden Wolle verwendet.

Einfachste Webart: "Leinenwandbindung": aus Flachs, auch Wolle oder Seide. Typisch für diese Bindung ist das regelmäßige Auf- und Abführen sich kreuzender Fäden (wie Strümpfe stopfen), diese Stoffe gab es einfarbig, gestreift, kariert. Wollstoffe Oberbekleidung wurde so gewebt, dann gekämmt, gewalkt und geschoren: Struktur nicht sichtbar, Lodenartig

Zweite Webart: Koeperbindung , Abarten Fischgrät- Rauten- Diamantkoeper. Der Koeper ist eine Grundbindung mit einer mehr oder weniger sichtbaren Diagonalstreifung, entsteht durch das Überspringen des Kett- oder Schussfadens von mehreren unter ihm liegenden Schuss- oder Kettfäden, wobei sich die Bindungspunkte mit jeder Webreihe immer nach der einen Richtung um einen Faden verschieben. Durch regelmäßiges Hin und Herversetzen der Bindungspunkte entstehen Fischgrät- und Rautenmuster. Die meisten Keltenstoffe (auch Schottenkaros) waren koeperbindig.

Atlasbindung = Satinbindung: hauptsächlich bei Seide (glatt, glänzend). Die Strukturlose geschlossene glatte Oberflache des Atlas oder Satins entsteht aus einem Rapport von fünf oder mehr Kett- oder Schussfäden, die dicht nebeneinander liegen und in wechselnder Folge von wenigstens vier unter ihnen liegende Fäden überspringen. Seide aus China und dem Orient war figürlich gemustert und wurde nach Europa aus Damaskus geliefert, daher der Name Damast . Es gab sowohl einfarbigen als auch zweifarbigen Damast. Seidenstoffe gab es in Europa seit dem Hochmittelalter, einheimisch gewebte seit 12. Jh. Orientalische Stoffe kamen unter anderem durch die Kreuzzüge als Beute nach Europa.

Samt: Schlingen in der Kette oder im Schuss, die meist geschoren wurden Material Seide, im letzen Viertel des 13. Jhr. in Italien oder Spanien erfunden, anfangs noch unbeschoren als Kissenbezüge verwendet. Der älteste schriftlicher Nachweis von geschorenem Samt (Velours) in England als Kleidstoff stammt von 1295 -> nicht unbedingt für hochmittelalterliche Kleidung passend.

Golddurchwirkte Brokatstoffe

Dünner Seidentaft für Schleier, Gewandfutter und Fahnen

Gemusterter Stoff mit eingewebten Ornamenten
Der Mustervielfalt waren Grenzen gesetzt: Woll/Hanffaden darf nicht zu dünn werden sonst reißt er, Seidenfaden machte abwechslungsreichere Muster möglich. (So tauchten erst im Spätmittelalter Woll- und Leinendamaste auf, welche in gröberer Form die Muster der Seidenweberei nachahmten.)

Gemusterte Stoffe höfische Mode: Seiden-Brokate, unter denen die Lampas Webart vorherrschte (verschiedene Bindungen kombiniert).
Eingewebte Gold und Silberfäden: Hierfür gab es zwei Techniken:
Lanciert: Der Goldfaden wird von Webkante zu Webkante geführt, wobei er auf der Gewebeoberseite flottiert, d.h. mehrere Fäden überspringt und so ein Muster bildet.
Broschiert: Goldfaden nur im Musterbereich
Bei einigen Brokaten wurden beide Techniken angewandt. Der Goldfaden war entweder fein gezogener Metalldraht oder ein textiler Faden, die "Seele", die mit hauchdünnen Goldstreifen (Goldlahn) spiralig umwickelt wurde. Hochwertig war Seide als Seele und echtes Blattgold, billiger Häutchengold (vergoldete Darmhaut) mit Leinenfaden als Seele - in Deutschland gab es hauptsächlich Häutchengold.

Im 12. und 13. Jhr. dominierten Damaste und Brokate, deren Grundmuster von regelmäßigen Reihen runder oder spitzovaler Medaillons gebildet wurden, diese Medaillons hatten einen schmalen einfachen oder breiten verzierten Rand und hatten innen symmetrische meist Rücken an Rücken angeordnete Tiere bzw. Fabelwesen oder Blüten. Diese teuren Stoffe waren dem Adel vorbehalten.


Farben

Farben hatten Bedeutungen, z. B. stand rot für Blut, Mut und Kampf und war traditionell Farbe des Kriegers. Nach rot war blau die beliebteste Farbe, gefolgt von grün.
Bei den Farbtönen gibt es eine Unterscheidung: Die Teuersten Farben waren purpur (Hochadel, Klerus), scharlachrot und indigoblau .
Für Bürger und Bauern erschwinglich gab es krapprot, waidblau.
Leuchtendes Gelb (Goldgelb, aus Safran) wurde vom Adel getragen. Das blasse fahle gelb (Färberwau) war eine Schandfarbe und diente zur Kennzeichnung von gesellschaftlichen Außenseitern etwa wie Juden und Prostituierten.
Schwarz war die Farbe des niederen Klerus und der Magistrate (wurde in der höfische Mode aber erst im 15 Jh verwendet). Es gab die Zunft der Schwarzfärber (die anderen waren die Buntfärber).

Fast alle Mischfarben konnten hergestellt werden.

Gelb neigte zum verblassen und wurde daher nur selten für Oberkleider, sondern meist für Futter oder Unterkleid verwendet. Grüne Gewebe oder Garne (blau/gelb Gemisch) wurden aus diesem Grund mit der Zeit blauer.

In der höfische Mode waren die Farben aufeinander abgestimmt. Meist kombinierte man einen kalten und einen warmen Farbton, z. B. rosa oder rote Cotte mit blauer blauvioletter oder grüner Surkot. Das Futter war häufig gelb, bei rosa gern grün.
Weiss- oder gelbrundige Damaste und Brokate wurden meist mit rotem Stoff gefüttert.
Die beliebteste Mantelfarbe scheint rot gewesen zu sein, gefolgt von dunkelblau und dunkelgrün.

Mi-parti : linke und rechte Körperhälfte unterschiedliche Farbe, diente zur Kennzeichnung.


Verzierungen

Besticken vor allem bei ungemusterten Seidenstoffen, diese wurden mit bunten Seidengarnen und Silber- und Goldfäden aufgewertet, auch mit Perlen und Korallen oder sogar Edelsteinen. Normalerweise wurden breite Streifen um den Hausausschnitt und die Gewandränder bestickt. Großflächig bestickt waren nur z.B. Krönungsmantel.

Gemusterte Borten : Brettchenweben, gelegentlich sogar mehr als 10 cm breit (meist weniger). Muster waren meist geometrisch, auch geometrisch stilisierte Tierdarstellungen, sogar Schrift. Bei höfischen Gewändern: buntes Seidengarn und Goldfäden.

Pelze aller Art wurden gerne verwendet. Die Fellseite war innen zum wärmen, Felle wurden meist unsichtbar getragen. Der Adel verwendete z. B. sibirisches graues Eichhörnchen, Zobel und Hermelin, diese wurden schachbrettartig genäht. Der Niederadel: verwendete einheimische Felle (rotes Eichhörnchen, Wiesel, Marder, Fuchs, Hase). Oft wurden tausend und mehr Eichhörnchenfelle für eine Robe (=Garnitur) verwendet. Schafspelz galt in höfischen Kreisen als sprichwörtliche als Bescheidenheit. Feh (Eichhörnchen) und Hermelin waren beliebtes Innenfutter. Zobel, Fuchs und Luchs verwendete man zum verbrämen von Gewändern und Kopfbedeckungen.

Keine Spitzen , weder gehäkelte noch andere.

 

Quelle: Ulrich Lehnart,
Kleidung & Waffen in der Früh- und Hochgotik
Karfunkel-Verlag

 

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