Stand und Kleidung


Als es noch weitgehend keine Standesunterschiede (bis zum 11. Jahrhundert) gab, kleidete sich der Mann für gewöhnlich in eine einfache Hose, und einen Kittel. Gefertigt waren beide Teile zumeist aus Wolle oder Leinen. Der Kittel wurde über der Hose getragen. Um die Taille wurde eine Wollschnur gebunden. Das Hemd war aus Leinen, der Mantel aus Wolle oder Pelz. Der Mantel bestand aus einem rechteckigen Stück und wurde mittels einer Fibel zusammen gehalten.
Frauen trugen lange Hemdgewänder mit Gürtel und darüber eine Ärmeljacke. Darüber wurde ein Umhang gestreift. Die Unterschicht trug ungefärbte Kleidung. Frauen wie Männer trugen Bundschuhe. In Mittel- und Westeuropa bildete sich allmählich eine Art Kleiderordnung heraus. Diese erstreckte sich anfänglich hauptsächlich auf Amtstrachten.
Durch die Kirche bildete sich eine zunehmende Verhüllung des Körpers aus. Die Kopfbedeckung für die Frau wurde immer mehr forciert. Verheiratete Frauen waren angewiesen, ihr Haar völlig zu verhüllen.
Veränderungen im Bereich Kleidung gab es durch Farben und Schmuck. Karl der Grosse erließ 808 eine Kleiderordnung, wonach der Preis, der auszugeben erlaubt war, festgelegt war.
Im 12. und 13. Jahrhundert wurde die Mode stark durch das Rittertum geprägt. Durch die Kreuzzüge war es den Menschen möglich andere Kulturen kennen zu lernen und so Veränderungen bezüglich der Kleiderkultur zu entwickeln. Die strenge Kleiderordnung für Frauen lockerte sich. Die Gewandung der Frau bestand allerdings weiterhin aus Ober- und Untergewand. Busen und Taille wurde betont. Im 12. Jahrhundert wurde Stoff erstmalig zugeschnitten, das Schneiderhandwerk war geboren.
Männer trugen kurze Leinwandhosen und lange Strümpfe. Die Ärmel waren eng anliegend, und ab dem Handgelenk folgten lange Hängeärmel. Männerkleidung ähnelte stark der Frauengewandung. Der Mantel war halbkreisförmig und mit Schließen zusammen gehalten. Besser Betuchte trugen bereits das Obergewand in einer anderen Farbe als den Mantel.
Das einfache Volk trug kurzes Haar. Langes Haar war dem Adel vorbehalten.
Etwa im 14. Jahrhundert wurde die Kleidung immer Körper betonter. Die bürgerliche Gesellschaft gewann an Macht und Einfluss und wollte ihren Wohlstand durch Kleidung ausdrücken. Um 1335 verkürzte sich bei der Kleidung des Mannes der Rock. Knöpfe und Schnüre kamen zum Einsatz. Die Beinlinge gereichten jetzt bis über die Knie zu den Oberschenkeln und wurden bis an das Wams herangenestelt. Dazu wurden Schnabelschuhe getragen. Frauen trugen zusätzlich Trippen. Erhöhte hölzerne Überschuhe, zum Schutz der Schnabelschuhe.
Das Kleid der Frau war knapp anliegend und geknöpft oder geschnürt.
Der Rock war faltig angereiht.
Die Kirche empörte sich immer wieder über derartige unzüchtige Kleidung. Kleiderordnungen wurden erlassen, um Übertreibungen Einhalt zu gebieten und um Standesunterschiede weiter deutlich zu kennzeichnen.
Das späte Mittelalter läutete "Frau-Rock, Mann-Hose" ein.
Gerne verwendet wurde zur Herstellung von Kleidern: Hanf, Wolle, Brennnesel, Baumwolle, Leinen. Die Veredlung der Textilien erfolgte durch mühsames Bleichen mit Laugenkonzentrationen und Buttermilch und später mit Schwefelsäure.
Die Kleiderordnung schrieb den Bauern bestimmte Stoffe und Farben vor. Der Bauer durfte kein Schwert tragen. Karl der Große hielt per Gesetz fest: Graue und schwarze Röcke durften sie tragen, rindslederne Schuhe, sieben Ellen grobes Tuch müssen reichen für Hemd und Bruoch (Hose). Keilstücke darf der Rock hinten und vorne nicht haben.
Jedoch brachte der Wohlstand der Bauern den Wandel. Im Verlauf des 13. Jahrhunderts kleideten sich die Bauern, farblich und modisch nach dem Vorbild der höfischen Mode.
Besonders den Rittern war das ein Dorn im Auge. Sie hielten die Bauern für unverschämt. Bauern trugen teure Gewänder, die sie sich schneidern ließen, die Gnippe (Klappmesser), die den Bauern verboten war, trug nun jeder. Frauen trugen einen Spiegel am Gewand.
In Frankreich trugen Männer um 1320 enge, jackenartige Kleider. Selbst Geistliche kleideten sich nach der neuesten Mode. Die Kleiderordnungen regeln bald jedes Detail. Daran gehalten haben sich höchsten eingeschüchterte Mädchen.
Die Armlöcher (Teufelsfenster) wurden immer größer, der Busen wurde geschnürt und hervorgehoben.
Unterwäsche war im Mittelalter den Reichen vorbehalten. Das Oberhemd hatte viele Funktionen und wurde als Nachthemd, Oberhemd und Unterrock eingesetzt.
Das Oberhemd trugen beide Geschlechter gleichermaßen. Es wurde allmählich der Oberbekleidung angepasst, hatte jedoch einen einfachen Schnitt. Auf Körperproportionen wurde noch keine Rücksicht genommen.
Anfangs war der Halsausschnitt so groß, dass das Hemd mühelos über den Kopf gezogen werden konnte. Ab dem 14. Jahrhundert zierte das Oberhemd Borten und wurde manchmal auch mit einer Fibel geschlossen.
Hosen waren lange den Männern vorbehalten. Sie wurden bunt gehalten und in der Taille mit einem Strick oder Gürtel festgehalten.


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