Mittelalter Redensarten und Ihre Bedeutung!

 


Moderne Sprache
 
Mittelalterliche Bedeutung

Den Löffel abgeben
Löffel gab es früher nicht im Überfluß. Wenn der Älteste starb, bekam der Jüngste seinen Löffel. Der Älteste hatte also den Löffel abgegeben.
 
Sich verzetteln
Im Althochdeutschen bedeutete "zetten" so viel wie ausbreiten, verstreuen. Daraus entstand verzetteln im Sinne von nutzlos ausbreiten. Das Verb hat aber nichts mit dem Zettel zu tun, den wir verwenden, um darauf Notizen zu machen. Dieses Wort kommt vielmehr von dem mittellateinischen "cedula". Es
gelangte als Zeddel Anfang des 14. Jahrhunderts ins Deutsche.
 
Da liegt der Hase im Pfeffer
Der sprichwörtliche Hase im Pfeffer hat die schönste Zeit seines Lebens schon hinter sich, denn das arme Tier ist mausetot. Es handelt sich nämlich um eine kulinarische Delikatesse, die vor allem im Mittelalter beliebt war. Pfeffer war damals eine heiß begehrte Handelsware und verfeinerte vor allem Fleischspeisen. Die Gewürzbrühe, in die das Fleisch eingelegt wurde, nannte man sogar "Pfeffer". Unser Hase im Pfeffer ist also ein Hasenbraten, der in einer kräftigen Pfeffersoße zubereitet wird.
 
Auf dem Holzweg sein
Der Transport von abgeschlagenen Holzstämmen gräbt tiefe Schneisen in den Waldboden. Diese Furchen verwechseln Spaziergänger oft mit normalen Wegen durch den Wald. Diese Holzwege enden jedoch abrupt an der Stelle, an der der Baum geschlagen wurde. Genauso muß auch die umgangsprachliche Auslegung verstanden werden. Folgt man einem falschen Gedankengang, ist man somit auf dem Holzweg und rennt einem Irrtum hinterher.
 
Jemandem einen Korb geben
Nach einem alten volkstümlichen Motiv wurde der Freier in einem Korb, der aus dem Fenster der Angebeteten heruntergelassen wurde, hinaufgezogen. War der Freier unerwünscht, wurde ein Korb mit lockerem Boden heruntergelassen. Dieser brach unter dem Gewicht des Freiers durch. Eine andere Variante der Abweisung bestand darin, den Korb mit dem Freier auf halber Höhe des Hauses "hängen zu lassen". Heute läßt man ungeliebte Freier zwar eher "abblitzen", doch auch dieser Begriff hatte ursprüngliche eine ganz andere Bedeutung.
 
Sich etwas hinter die Ohren schreiben
Im Mittelalter konnten die meisten Menschen weder lesen noch schreiben. Verträge mußten sie aber trotzdem schließen. Häufig ging es dabei um Grenzziehungen von Grundstücken. Damit diese mündlichen Verträge später auch vor Gericht Bestand hatten, waren Zeugen nötig. Als "Erinnerungshilfe" wurden diese Zeugen an den Ohren gezogen oder sogar geohrfeigt. Denn was mit Schmerzen verbunden ist, merkt sich der Mensch besonders gut.
 
Das sind mir alles böhmischen Dörfer!
Die echten böhmischen Dörfer liegen, wie schon der Name sagt, in Böhmen, einer historischen Region in Mitteleuropa, die heute das westliche Tschechien bildet. Im 13. Jahrhundert besiedelten viele Deutsche die Dörfer der Region. Die Orte waren jedoch oft mit fremdartigen und schwer auszusprechenden slawischen Namen belegt, wie zum Beispiel Cerná v Poumaví. Unbekannt und unverständlich wie böhmische Dörfer eben.
 
Eine Eselsbrücke bauen
Esel gelten im Volksmund als dumm und störrisch. Nicht immer zu Recht, denn die Vierbeiner wissen ganz genau, was sie wollen und was nicht: Sie verabscheuen es zum Beispiel, nasse Hufe zu bekommen. Mit den meisten Langohren ist es absolut unmöglich, einen Fluß oder einen Bach zu durchqueren. Ein Problem, mit dem vor allem die Menschen vor der Erfindung des Automobils konfrontiert waren. Denn sie nutzten die Esel hauptsächlich als Lastentiere und für den Transport ihres Hab und Guts. Mußten sie auf ihrem Weg einen Fluß passieren, wurden eigens für die störrischen Esel an schmalen Stellen des Wassers Brücken gebaut: die so genannten Eselsbrücken. Eine Eselsbrücke war daher ursprünglich ein kleiner Umweg, aber er führte trotzdem ans Ziel.
 
Ins Fettnäpfchen treten
So wie heute noch Lederschuhe eingefettet werden, damit keine Feuchtigkeit eindringen kann, versuchte man sich schon vor Jahrhunderten vor nassen Füßen zu schützen. Deshalb war es bei den Bauern üblich (wenigstens regional), in die Nähe der Eingangstür (oder auch des Ofens) einen Napf mit Fett zu stellen, aus dem sich auch Gäste bei Bedarf bedienen konnten. Dabei kam es vor, daß jemand das Pech hatte bzw. so ungeschickt war, in den Napf zu treten und dann entsprechende Fußabdrücke zu hinterlassen. Die für die häusliche Ordnung und Sauberkeit verantwortliche Bäuerin war davon mit Sicherheit nicht sonderlich begeistert...
 
Jemanden ausstechen
Beim ritterlichen Turnier mit der Lanze aus dem Sattel stechen.
 
Montags blau machen
Eigener Ausdruck der Wollfärber: die an der Luft schnell indigoartig-blaufärbende Wolle wurde den ganzen Sonntag über im Bad gelassen, um sie montags an der Luft trocknen zu lassen; so konnten die Gesellen an diesem Tage ausruhen.
 
Auf den Hund gekommen
Im Mittelalter waren die Böden von Geldtruhen oft mit Tierbildern verziert oder mit Fellen ausgelegt (da klimperte es nicht so laut). Meistens waren dies Hundebilder oder Hundefelle. Wenn man also den Grund der Truhe erreicht hatte, war man "auf den Hund gekommen" und somit Pleite.
 
Nicht lange fackeln
In den dunklen Tagen des Mittelalters war es üblich bei einem Angriff auf eine Burg auch Feuer zu verwenden (z.B. um das Haupttor abzufackeln). Jedoch war dieses Tor auch gleichzeitig einer der bestbewachtesten Orte einer Burg und so sagten die Soldaten, welche an den Pechnasen oder den Schießscharten über einem solchen Tor saßen oftmals: "der da unten fackelt nicht lange". Aber auch aus dem altdeutschen "facken" hergeleitet: hin und her bewegen. Aus facken ist fackeln geworden, was den gleichen Sinn ergibt, die offene Flamme der Fackel schwenkt hin und her.
 
Durch die Lappen gegangen
Bei der Treibjagd benutzte man früher weiße Leinentücher, die man von einem großen Kreisumfang zu einem kleinen zusammenzog. Jeder Treiber trug also so ein Leinentuch um das Wild in die Nähe der Jäger zu treiben, oder die Lappen wurde an Bäume und Büsche gebunden. Das Wild scheut davor zurück. Büchste dann ein Jadtier aus und rannte in Panik durch die Lappen, hieß es: "der ist mir durch die Lappen gegangen".
 
Auf Schusters Rappen
Damit sind schwarze Schuhe, also die "Pferde", die der Schuster verkauft, gemeint.
 
Mit etwas hinter dem Berge halten
Wieder militärisch: Seit dem Dreißgjährigen Krieg kennt man die Taktik, Geschütze hinter natürlichen Deckungen wie Hügeln aufzustellen, um sie dann im günstigen Moment einzusetzen.
 
Das Heft in der Hand haben
Jemand der eine unangreifbare Machtposition inne hat, "hat das Heft in der Hand". Das hier gemeinte Heft ist das Heft, also der Griff eines Schwertes.
 
Auf Trab bringen
In der Kavallerie bringt man das Pferd auf Trab. Das geschieht manchmal auch unter Verwendung von Peitsche und Sporen.Somit liegt der Sinn der Redewendung auf der Hand.
 
Schlitzohr
Gesellen bestimmter Zünfte trugen als Zeichen ihrer Zugehörigkeit Ohrringe. Verstießen sie gegen die Regeln ihrer Zunft, benahmen sich also unzünftig, so wurde ihnen der Ohrring auf schmerzhafte Art entfernt: man riß ihn einfach aus dem Ohr.
Die Ohrringe waren übrigens aus Gold, damit aus dem Erlös ein ordentliches Begräbnis bezahlt werden konnte.
Eine andere Erklärung besagt, daß Bäcker, die zu kleine Brötchen gebacken hatten, mit dem Ohr an die Kirchentür genagelt wurden. Um sich zu befreien, mußten sie sich losreißen...
 
Unter die Haube bringen
Eltern wollen ihre Töchter unter die Haube bringen, also verheiraten. Nach germanischem Brauch durften verheiratete Frauen ihr Haar nicht mehr offen tragen, sondern mußten es unter einer Haube verbergen. Am Hochzeitstag setzte die Frau die neue Kopfbedeckung zum ersten Male auf.
Auch die Römer kannten diese Sitte.
 
 

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