Die Entwicklung der Klostermedizin

 

 

St. Gallener Klosterplan



Etwa 527 gründete Benedikt von Nursia das erste Kloster auf dem Monte Casino. In seiner Ordensregel (Regula Benedicti) legte er fest, dass die Krankenpflege die wichtigste Aufgabe der Mönche sei. Jedes Kloster sollte dafür einen eigenen Raum einrichten und einen Mönch ausbilden. Damit übernahmen die Klöster zu Beginn ihres Auftretens eine soziale Aufgabe für die Allgemeinheit. Das dahinter stehende Prinzip war die Barmherzigkeit (caritas). Diese Regel Benedikts war die Basis der Klosterheilkunde. Papst Gregor der Große befand die Regula Benedicti für vorbildlich und erklärte sie daher für alle katholischen Orden für verbindlich. Die Orden des Heiligen Lazarus, des Orden des Johannes und andere gründeten zahlreiche Spitäler, wo Kranke ebenso wie Arme und Alte Zuflucht fanden.


Kaiser Karl der Große förderte die Heilkunde seiner Zeit, indem er ein Gesetz erließ, das Klöstern und auch Städten das Anlegen von Kräutergärten und die darin zu züchtenden Pflanzen verbindlich vorschrieb. Der so genannte St. Galler Klosterplan , der erhalten ist, zeigt die ideale Anlage eines Klostergartens; für jede Heilpflanze wurde ein eigenes Beet angelegt. Es handelte sich um 24 Pflanzen, die der Abt Walahfrid Strabo (808-849) in seinem Lehrgedicht Hortulus s genau beschrieb. Zu den Heilpflanzen gehörten unter anderem Salbei, Wermut, Fenchel, Schlafmohn, Liebstöckel, Kerbel, Flohkraut, Betonie, Rettich und Minze.

Die Mönche und Nonnen sammelten Erfahrungswissen im Umgang mit den Heilkräutern und gaben ihr Wissen innerhalb der jeweiligen Klöster weiter. Jahrhundertelang waren außerhalb der Klöster keine ausgebildeten Mediziner tätig. In der Bevölkerung existierte eine Volksmedizin, die von so genannten weisen Frauen und Hebammen tradiert wurde. Außerdem gab es Handwerksärzte, zu denen die Bader und die Scherer in den Badehäuser gehörten.

Die Klostermedizin fand ihren Höhepunkt im Werk Hildegards von Bingen im zwölfte Jahrhundert, die fest an Gott als endgültige Heilung aller Krankheit glaubten.

Im Hochmittelalter wurde in Salermo eine der ersten medizinischen Universitäten in Europa gegründet. Von Spanien aus, wo das breite Wissen der arabischen Medizin auf die christliche Kultur traf, ging langsam eine Akademisierung der Laienmedizin aus. In Bologna wurde 1111 eine der ersten medizinischen Universitäten gegründet, 1187 folgte Montpellier, dann Paris. Im 13. Jahrhundert wurde die ärztliche Approbation eingeführt. In der Zeit der Renaissance verlor die Klostermedizin allmählich ihre Vorrangstellung gegenüber Laienheilern Albertus Magnus bemühte sich darum, das Wissen der Klosterheilkunde mit der Medizin zu verbinden.

Auf Grund der Reformation wurden in Nordeuropa viele Klöster geschlossen, während der Gegenformation entstanden jedoch wiederum neue. In dieser Zeit entstanden die Klosterapotheken, in denen vor allem Heilkräuter verkauft wurden. Es entstand eine Konkurrenz zu den weltlichen Apotheken, so dass mancherorts die Klosterapotheken verboten wurden. Heute befindet sich nach wie vor, aufbauend auf der Tradition der Klosterspitäler, ein Teil der Krankenhäuser in kirchlicher Trägerschaft.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Klostermedizin


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