Die Geschichte des Hanfs

 


Antike und Mittelalter

In Griechenland war im 1. Jahrhundert Hanf als Medikament bekannt. Es hatte einen großen Stellenwert in der Arzneimittellehre "De materia medica", die anderthalb Jahrtausende das grundlegende Arzneibuch blieb.

Im römischen Reich (um 400) war Hanf in allen Lebensbereichen präsent. Wegen seiner vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten war er ein kostbarer Rohstoff. Er wurde zur Herstellung von Textilien, zum Hausbau, als Nahrungsmittel und zur Herstellung von Waffen verwendet. Auch in der Medizin fand Hanf damals Anwendung.

In Mitteleuropa wurde der Hanfsamen zu dieser Zeit als Nahrung genutzt. In fränkischen Backrezepten aus dem 5. Jahrhundert wurden beispielsweise "Hanfosamo" erwähnt.

Auch im 9. Jahrhundert unter Karl dem Großen (768 - 814) wurde dem Hanfanbau große Bedeutung beigemessen. Karl der Große verkündet das erste "Hanfgesetz" in Europa, indem er ca. um 800 in seiner Capitulare den Anbau von Hanf anordnet. Bedingt durch zahlreiche Kriege, die zu seiner Zeit geführt wurden, war der Hanf ein wertvoller Rohstoff. In Klöstern arbeiten die Mönche im Schein brennender Hanföllampen und kopierten ihre Abschriften auf Hanfpapier.

Bereits im Mittelalter war Hanf fester Bestandteil in der Volksmedizin. Aus dieser Zeit stammen die Rezepte für die süße Hanfsuppe und das Knusperwerk.

In Europa, später natürlich auch in der neuen Welt Amerika, war Hanf unersetzlicher Rohstoff zur Produktion von Seilen, Textilien und Papier. Christoph Columbus hätte ohne Hanf zum Beispiel niemals Amerika entdecken können. Alle Segel waren aus Hanf, ebenso die Taue, die Kleidung der Seeleute und alle Karten. Unter den Geschenken, die er den Eingeborenen mitbrachte, befanden sich auch Hanfsamen und Kleidungsstücke aus Hanffasern. Die Bibel wurde damals auf Hanf gedruckt und die Mona Lisa auf Hanf gemalt.
1776 wurden die ersten Entwürfe Unabhängigkeitserklärung von Amerika auf Hanfpapier niedergeschrieben genauso wie 1787 die bis heute gültige Verfassung der Vereinigten Staaten.
Seinetwegen wurden Kriege geführt, weil die Kontrolle über den Rohstoff Hanf eine Voraussetzung zu wirtschaftlicher Machterfüllung war. Bevor in Europa Kohle, Erdöl und Gas im industriellen Maßstab abgebaut werden konnten und die Industrie in der Lage war, Massengüter wie Baumwolle, Jute, Sisal und Ramie aus Übersee einzuführen, hatte die Hanfverarbeitung die Funktion einer Schlüsselindustrie. Bis ins 18. Jahrhundert waren die Fasern der Hanfpflanze zusammen mit Flachs- und Nesselfasern sowie Wolle die Rohstoffe für die europäische Textilproduktion. Im Bereich Bekleidungstextilien wurden Hanf-Kleidungsstücke hauptsächlich für Oberbekleidung und Arbeitskleidung genutzt, während feinere Kleidungsstücke und jene die gut wärmen sollten, eher aus Flachs, Nessel oder Wolle hergestellt wurden.


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